verfasst von am 27. Juni 2024
Intelligente Glasfaser

In unseren Gewässern werden immer häufiger russische Schiffe gesichtet. „Zufälligerweise“ auch in der Nähe wichtiger Unterseekabel. Die Nordsee ist voller wichtiger Infrastruktureinrichtungen wie Datenkabel, Gasleitungen und Internetkabel. Leider ist diese Infrastruktur relativ anfällig für Spionage, weshalb das niederländische Forschungsinstitut TNO eine Methode entwickelt hat, um den Meeresboden der Nordsee zu sichern – und zwar mithilfe von intelligenter Glasfaser!


Intelligente Glasfaserkabel in der Nordsee  

In der Nordsee verlaufen zahlreiche Glasfaserkabel, die uns mit anderen Ländern, darunter England, verbinden. Ein Teil dieser Kabel wird jedoch nicht genutzt und gilt daher als „Dark Fiber“. TNO will diese Dark Fibers einsetzen, um Schiffe zu erkennen, die sich den Kabeln nähern, und so Spionage rechtzeitig zu bemerken und zu verhindern. Mit einer speziellen Technik können sie die kilometerlangen Kabel als eine Art Sensoren nutzen. Wenn man Laserlicht durch die Kabel sendet, kommt eine Reflexion dieses Lichts zurück. Kommt eine Schallquelle in die Nähe des Kabels, verformt sich das Kabel ein wenig, wodurch sich auch die Reflexion des Laserlichts verändert. Ein spezielles Gerät, der DAS Interrogator, erfasst diese Veränderung.

Woher weißt du, was eine Veränderung verursacht?  

Eine solche Veränderung der Reflexion bedeutet natürlich nicht automatisch, dass wir ausspioniert werden. Schließlich kann auch das Meeresleben für Veränderungen in den Glasfaserkabeln sorgen. Wie wissen wir dann, was die Ursache für die Veränderung ist? Mit dem DAS Interrogator lassen sich Ort und Richtung der Schallquelle sehr genau bestimmen. Auf diese Weise lässt sich schnell feststellen, ob die Quelle eine Bedrohung darstellt oder nicht. Ein vorbeischwimmender Wal lässt sich beispielsweise leicht identifizieren.

Brauchen wir das wirklich?

Vielleicht fragst du dich jetzt: „Ist das alles wirklich nötig?“ Das können wir uns vorstellen, aber im Sommer 2022 wurden die Nord-Stream-Pipelines bereits sabotiert. Dies machte deutlich, dass die Anlagen, die auf dem Meeresboden der Nordsee liegen, anfälliger sind, als wir denken. Durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist der Anfälligkeit der Nordsee in den letzten Jahren bereits mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden. Sollte ein Angriff auf alle Kabel und Anlagen am Meeresboden erfolgen, wäre das nicht nur für die Niederlande eine Katastrophe, sondern auch für die Länder um uns herum. Deshalb ist die Sicherung des Nordseebodens mit intelligenter Glasfasertechnik heute wichtiger denn je!